Berlin (pag) – Würden Deutschlands Kliniken pro Tag nur um eine Stunde Bürokratie entlastet, könnten 68.600 Vollzeitfachkräfte freigesetzt werden. Diese Zahlen nennt Prof. Henriette Neumeyer, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), in einer Pressekonferenz. Dort stellt die DKG ihre Entbürokratisierungskampagne vor.
Insgesamt 55 Vorschläge liefert die DKG, um den Verwaltungsaufwand zu entschlacken. Zur Veranschaulichung berichten Praktiker aus ihrem Alltag. Der Krankenhausarzt und -funktionär Dr. Peter Bobbert etwa will an die Strukturprüfungen der Medizinischen Dienste (MD) ran und nennt ein Beispiel: Die Strukturprüfung von Schenkelhalsfrakturen in einer orthopädisch-unfallchirurgischen Abteilung eines kleineren Berliner Krankenhauses nehme 100 Arztzeitstunden in Anspruch. Ein paar Wochen später stehe die nächste Strukturprüfung in der Abteilung an, dieses Mal für die Notfallversorgung. Wieder fielen 100 Arbeitsstunden an. „Aber zwei Drittel dessen, was dort abgefragt worden ist, wurden bereits bei der anderen Strukturprüfung abgefragt“, sagt Bobbert. Er fordert die Nutzung von Synergien, beispielsweise durch ein Register mit prüfungsrelevanten Daten.
Neumeyer spricht die Neuen Untersuchungs- und Behandlungsmethoden (NUB) an. „Jahr für Jahr müssen immer wieder die gleichen Anträge gestellt werden. Diese immer wiederkehrenden, völlig überflüssigen Antragspflichten müssen abgeschafft und die Anträge vereinfacht werden.“
Die Vizepräsidentin der Pflegekammer Rheinland-Pfalz, Andrea Bergsträßer, kritisiert die Parallelität von Pflegepersonaluntergrenzen und dem Personalbemessungsinstrument PPR 2.0. Hinzu kämen für ausgewählte Bereiche zusätzliche Personalvorgaben aus den Qualitätsrichtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses.
Die DKG wünscht sich, dass Gesundheitsminister Prof. Karl Lauterbach (SPD) endlich das versprochene Entbürokratisierungsgesetz auf den Weg bringt. Im Moment passiere jedoch das Gegenteil: Im Medizinforschungsgesetz hat der Bundestag beschlossen, dass Ärzte künftig ihre Tätigkeit pro Leistungsgruppe genau dokumentieren müssen.
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